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Wann
und wie bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
Mitte der 80er in Frankfurt. Ich habe immer gerne getanzt und auch
beim Tanzen die Hüften geschwungen (der "Bump" in
den 70ern!). Außerdem hatte ich einen Hang zu ethnischer Musik.
Mit der orientalischen Musik war es Liebe auf den ersten Blick (bzw.
die erste Kassette). Darüber hinaus liebte ich von Kindesbeinen
an alles, was mit 1001 Nacht zu tun hatte.Als ich dann erfuhr, dass
es in Frankfurt eine Reihe von Möglichkeiten gab, Bauchtanz
zu lernen, machte ich mich auf die Suche. Nach einigen Umwegen landete
ich bei meiner ersten Lehrein, Leyla/ Lilo Buyteart (heute L. von
Hugo). Ich war sofort infiziert, hörte ab sofort nur noch orientalische,
bald vor allem ägyptische Musik und übte wie verrückt.
Ich hatte etwas gefunden, was mich glücklich machte... (s.o.:
was bedeutet Glück für dich?)
Hast
Du einen Künstlernamen und wenn ja, wie bist Du dazu gekommen?
Ursprünglich wollte ich gar keinen Künstlernamen haben,
da mir mein Geburtsname gefiel. Die ersten zwei Jahre tanzte ich
auch in etlichen Lokalen unter diesem Namen. Dann aber tauchte eine
zweite Marina auf und es gab mehrere Verwechslungssituationen: sie
kam irgendwo hin, aber man erwartete mich. Oder umgekehrt. Also
beschloss ich, mir einen Künstlernamen zuzulegen. "DALAL"
bekam ich von meinem damaligen Lehrer Sami Abdo, der mir mein Gefühl
für den Balady vermittelte. Er fand, der Name passe zu mir.
Ich fand und finde das auch.
Gibt
es jemanden, der Dich besonders beeinflusst hat? Oder hattest Du
ein
Schlüsselerlebnis, das Dich besonders geprägt hat?
Beeinflusst haben mich vor Allem drei Lehrer: Lilo, weil sie einfach
eine scharfe Braut war und so gar nichts von der betulichen "wir
- tanzen - nur - für -Frauen" - Fraktion hatte, in die
ich bei einem Schnupperworkshop geraten war (dort war es verpönt,
öffentlich - vor Männern! - aufzutreten oder jenseits
von Selbsterfahrung einfach nur Spaß zu haben).
Dann Samy Abdo, weil ich durch ihn gelernt habe, die ägyptische
Musik zu fühlen.
Und Gamal Seif, der meinen Horizont sowohl in Bezug aufs Tanzen
als auch aufs Unterrichten um Welten erweitert hat.
Was
sind Deine Aktivitäten in Sachen orientalischer Tanz?
Zur Zeit beschränke ich mich auf Unterricht (in Viersen, Mönchengladbach
und Wuppertal) und gelegentliche Auftritte, plane aber wieder eine
Show mit Yasmena aus Köln.
Wie
würdest Du Deinen eigenen Tanzstil beschreiben?
Dem Balady gehört meine Liebe, und der Balady prägt absolut
meinen Tanzstil. Er kann frech und ausgelassen sein, sinnlich oder
verspielt, intro- oder extrovertiert , mit oder ohne den unterschiedlichsten
Requisiten getanzt werden (ich tanze ihn zum Beispiel gern mit einem
blumen- und kerzengeschmückten Tablett auf dem Kopf). Der Balady
ist für mich die lebendigste Variante des orientalischen Tanzes.
Was
hältst Du von Authentizität und Phantasie, von Tradition
und Weiterentwicklung im o.T.?
Ohne Weiterentwicklung gibt es kein Leben. Eine Weiterentwicklung,
die diese Bezeichnung auch verdient und als solche glaubhaft ist,
kann meiner Meinung nach aber nur auf der Basis des Traditionellen,
des "Alten", geschehen. Ich kann nur etwas weiterentwickeln,
das ich beherrsche. Ist das nicht der Fall, ist das Ergebnis oft
nur noch modische Attitüde, "gewollt und nicht gekonnt",
bunt und laut, aber ohne Inhalt und Substanz. Und: ab einem bestimmten
Zeitpunkt hat das Ergebnis nichts mehr mit orientalischem Tanz zu
tun !! Ein "Bauchtanz"-kostüm allein macht eben noch
keinen O-Tanz, genauso wenig wie eine Becken- oder Körperwelle
(schließlich findet man alle Grundbewegungen des O-T u.a.
im Modern Dance u.v.a. wieder).
Tanzt
Du eher choreographiert oder lieber frei?
Ich bin eine Katastrophe in Choreografie. Zwar mache ich für
meine Schülerinnen viele Choreografien, und ich liebe jede
einzelne davon. Wenn ich sie aber an einem Stück (vor)tanzen
soll, gibt´s was zu lachen. Es macht mich einfach nervös,
ich kann mich nicht fallen lassen. Daher tanze ich meine Solos lieber
frei.
Was
ist Dir in Deinem Unterricht wichtig, was macht für Dich eine
gute Lehrerin aus?
Qualität statt Quantität: Statt einer Choreografie hinterher
zu hampeln sollen die Frauen in meinen Kursen lieber wenige Bewegungen
schön und geschmeidig tanzen - der Musik folgen statt wie ein
Computer die Schritte zu zählen (und dabei nicht zu bemerken,
dass man völlig neben dem Takt tanzt).- Fließende Übergänge
finde ich wichtig und lasse sie immer wieder üben, üben,
üben. Die Schülerinnen sollen wissen, was sie machen.
Sie sollen Bewegungen präzise erfassen und umsetzen. Und sich
dabei möglichst gut spüren. Dafür kann ich mich im
Unterricht in Technik und Bewegungsabläufe regelrecht festbeißen.
Bei all dem versuche ich die Grenzen meiner Schülerinnen zu
respektieren. Und ich versuche sie zum lachen zu bringen. Mit Humor
lernt es sich nun einmal leichter.
Welchen
Rat würdest Du einer Frau geben, die gerade anfängt zu
tanzen?
Wenn sie den Rat annähme, würde ich ungefähr folgendes
sagen :
- Lass dir Zeit. Viel Zeit. Nimm so viel Unterricht, wie Du kriegen
kannst. Wechsle deine Lehrer, mach Workshops. Nach einer Weile weißt
du, wo du ungefähr hin willst. Dann verfolge dein Ziel konsequent.
- Glaube nicht jedem Kompliment, lerne abzuwägen. Lass dich
beraten, sei kritisch mit dir selbst und suche dir jemanden, dem
du vertrauen kannst, eine Art Mentorin vielleicht.
- Mache dich nicht finanziell abhängig von Auftritten. (Und
fang nicht zu früh damit an). Lass dich nicht von Restaurantbesitzern
gegen deine Kolleginnen ausspielen (Viele versuchen das leider immer
wieder). Versuche, Deine Aktivitäten in Bezug auf Einnahmen
zu streuen.
- Wenn du irgendwann an den Punkt kommst, dass alles nur noch Routine
ist, dann kehre zu Punkt I zurück. Behalte und pflege deine
Liebe zum O.T. und der o. Musik.
- Es wird immer Krisen geben, immer wieder das Gefühl: ich
kann gar nichts, ich komme nicht weiter, etc. Nimm sie erst einmal
nicht tragisch. Ich habe das so oft erlebt, und erlebe es noch heute
in Abständen wieder. Und hinter jeder dieser Krisen wartete
etwas Neues auf mich: irgendeine Bewegung, von der ich glaubte,
dass sie "nicht meine" sei, hatte sich plötzlich
in meine Abläufe eingeschlichen. Oder eine andere Art von "Durchbruch"
war geschehen. Krisen gehören zur Entwicklung.
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