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Wie
bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
Unser Dorf hat eine ziemlich aktiven Karnevalsverein. Als wir dorthin
zogen, fragten sie uns gleich, ob wir, da wir so eine sportliche
Familie wären,- ein kleines Programm mitgestalten könnten.
Wir zeigten eine Akrobaten - Nummer nach orientalischen Klängen.
Natürlich waren dort auch Bauchtanzbewegungen dabei,- aber
das wußte ich nicht. Jedenfalls kam die Anfrage, ob ich im
Sommer diesen Bauchtanz in einem anderen Dorf zeigen würde.
Mein Mann sagte ohne mein Wissen zu und schenkte mir zum Geburtstag
eine Reise in die Türkei (Mein erster Flug überhaupt!!!)
.Wir kauften dort ein Bauchtanzkostüm und ich ließ mir
die ersten Bewegungen zeigen. Ich ahnte, daß ich meinen Tanz
gefunden hatte. Der Auftritt wurde ein richtiger Erfolg,- es waren
ausgerechnet Türken dort zu Gast...aber ich nannte es nicht
Bauchtanz,- den begann ich erst zu lernen.
Hast
Du einen Künsterlnamen, und wenn ja, wie bist Du dazu gekommen?
Eigentlich wollte ich keinen Künstlernamen, aber man wird teilweise
doch ziemlich einfallslos angesagt. Als wir im Februar diesen Jahres
in Ägypten waren, und im April wieder, hatte ich die Gelegenheit,
ein paar Mal dort in den Hotels zu tanzen. Die Ägypter sagten,
ich solle mich Nefertari oder Nofretete nennen, weil ich so aussehen
würde. Naja, und Nefertari ist es dann geworden. Habiba = Geliebte
und Masrea = Ägypterin habe ich wie einen Nachnamen darangehängt.
Man kann es auch so lesen, Nefertari, die geliebte Ägypterin.
Und das war sie ja.
Gibt
es jemanden, der Dich besonders beeinflusst hat? Oder hattest Du
ein Schlüsselerlebnis, das Dich besonders geprägt hat?
Jemand nicht, aber etwas. Nämlich die Tatsache, daß die
orientalische Musik so ganz direkt in meinen Kopf und Bauch gedrungen
ist und etwas hervorgeholt hat, von dem ich nichts wußte.
Mein Mann hat das wohl eher bemerkt als ich. Aber als er mir damals
sagte, ich müsse im Sommer tanzen ,wollte ich ihn schlachten...
(Spass)
Ich habe mir dann erst alle mögliche Infos über Bauchtanz
besorgt, Bücher,Videos, aber Lehrerinnen gab es hier keine,
also brachte ich es mir selbst bei. Bei Mustafa in Dessau habe ich
streckenweise jedes Wochenende getanzt, und es waren viele, die
extra meinetwegen hinkamen, das hat mir Mut gemacht. Ich hatte dort
gute Bedingungen, genügend Platz und sehr viele orientalische
Gäste, dafür bin ich heute noch dankbar.
Dazu kommt, daß mich mein Mann von Anfang an ins richtige
Licht gerückt hat.Ich tanze nie ohne Licht, mein Mann ist der
Beleuchter, wir setzten jeden Auftritt aufwendig in Szene. So verzaubern
wir die Leute.
Was
sind Deine Aktivitäten in Sachen orientalischer Tanz?
Abgesehen davon, daß ich sehr viele Auftritte habe, allein
aber auch genausooft im Rahmen unserer Shows, unterrichte ich seit
ein paar Jahren Erwachsene und Jugendliche. Nachdem wir im September
diesen Jahres unseren ägyptischen Freund nach Wittenberg geholt
hatten und wir mit ihm 12 Veranstaltungen zum Thema Orient, Islam,
ägyptische Kultur und natürlich Bauchtanz durchgeführt
hatten, boomt der Bauchtanz noch mehr. Jetzt kommen auch die Teenies!
Eine Freundin von mir schreibt ihre Diplomarbeit zum Thema Bauchtanz
als Therapieform, wir haben an alle meine Frauen und Mädchen
ihre Fragebögen verteilt, die Resonanz ist ausgesprochen positiv.
Wenn mein übliches Rückenschulprogramm nicht mehr genügt,
kommen viele dieser Frauen in die Bauchtanzkurse. Es sind Trainingskurse
für ihre Muskeln, es tut ihnen gut. Aber das Allerwichtigste,
es macht Spaß!!!
Was
ist Dir im Tanz wichtig (Technik, Gefühl, Ausstrahlung), was
möchtest Du mit Deinem Tanz "rüberbringen"?
Zunächst will ich die Menschen verzaubern, wenn ich auftrete,
sollen sie mit mir in meine Welt eintauchen, den Alltag vergessen,
nur genießen. Deshalb das Licht, die Dramaturgie, die Düfte
, die Musik, das aufwendige Kostüm. Da die Techniken für
einen Nichttänzer faszinierend sind, wie macht die das, zeige
ich, was ich kann. Aber dann trete ich weg, nämlich hinein
in die Musik, dann tanzt mich die Musik, und was ich fühle,
fühlt auch der Zuschauer, oder der, der mittanzt. Ich spiele,
ich treibe Schabernack, ich tanze, Freistil. Oft entdecke ich während
eines Auftritts, daß ich eine Bewegung getanzt habe, die ich
eigentlich noch gar nicht kann. Aber da konnte ich sie. Darauf kommt
es aber weniger an, denn das Gefühl, das kann man nicht trainieren,
das muß live sein.
Meine Tänze enthalten fast immer Kautschuk-Teile, die orientalische
Musik bietet sich dafür geradezu an, und jeder Auftritt hat
einen Teil, wo mein Temperament mit mir durchgegen darf, trotzdem
mische ich nicht regellos alles durcheinander. Es ist immer orientalischer
Tanz, manchmal traditionell, manchmal modern. Neue, tolle Ideen
kommen mir immer dann, wenn ich sie gaaaanz dringend brauche.
Glaubst
Du, dass orientalischer Tanz und Erotik zusammengehören?
Sicher versteht jeder etwas anderes unter Erotik. Aber wenn der
Bauchtanz nicht erotisch ist, welcher Tanz ist es dann? Ich habe
mal, ohne es vorher zu wissen, nach einer viel jüngeren und
sehr gut aussehenden Stripperin getanzt. Danach sind überdurchschnittlich
viele Männer und auch Frauen zu mir nach hinten gekommen und
haben mir gesagt, daß der Bauchtanz um ein Vielfaches erotischer
und ästhetischer war als der Strip.
Erotik hat ja auch etwas mit Nichtsehen, nur fühlen, sanft
genießen zu tun. Ich sehe oft in den Augen der Frauen, die
zusehen, daß es einfach nur schön ist, und irgendwie
werden beim orientalischen Tanz alle Frauen im Raum in die Schönheit
dieses Tanzes einbegriffen. Auch oder gerade für ihre Männer,
die dabeisitzen.
Wenn man weg geht vom Auftritt, die Frauen in meinen Kursen werden
alle schöner, sobald sie sich eingetanzt haben und lockerer
werden. Auch das ist Erotik, denn man kann ja nur eine erotische
Ausstrahlung haben, wenn man sich selbst gut fühlt.
Das ist übrigens das Hauptziel in meinen Kursen. Die Frauen
sollen sich gut fühlen, sich selbst besser leiden können,
und die Bauchtanztechniken erlernen, damit sich das Muskelgewebe
festigt und die Körperhaltung verbessert. Viele nehmen nach
einer gewissen Zeit dabei ab, unfreiwillig. Ich eingeschlossen.
Schöner Nebeneffekt.
Was
ist Dir in Deinem Unterricht wichtig, was macht für Dich eine
gute Lehrerin aus?
Sie ist fachlich auf dem Laufenden, sie arbeitet methodisch gut
- damit jede Schülerin Erfolgserlebnisse hat- sie gibt Hilfe
zur Entwicklung der eigenen Fertigkeiten, sie holt aus dir heraus,
was in dir steckt, und du machst dann das Beste daraus. Und das
alles mit Spaß und Wärme.
Wie
bringst Du Deine Aktivitäten unter einen Hut?
Gute Frage, weiß ich auch nicht so genau, aber irgendwie klappt`s
immer.
Dein
Motto?
Den Glauben an Dich selbst laß Dir von niemand rauben, wenn
Du Dir selbst nicht traust, wird keiner auf Dich bauen.
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