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Wann
und wie bist du zum orientalischen Tanz gekommen?
Da mich der indische Tempeltanz und die Kostüme schon als Kind
begeisterten, sah ich auf einer Univeranstaltung 1985 das erste
Mal eine orientalische Tänzerin, die mich so fasziniert hat
mit ihrer weiblichen und erotischen Ausstrahlung, dass ich daraufhin
den Entschluss fasste, den orientalischen Tanz zu lernen. So begann
ich 1986 den Unterricht bei ihr und nahm jahrelang bei den verschiedensten
Lehrern Unterricht in laufenden Kursen, sowie WS und Tanzwochen.
Hassan Khalil, Reza, Feyrouz, Gamal und Khaled Seif, Mona Suha und
Sharazad, nur um einige zu nennen, haben mich und meine Arbeit geprägt.
Hast Du einen Künstlernamen und wenn ja, wie bist Du dazu
gekommen?
Saliha EL-Dine, meistens nenne ich mich nur Saliha. Ein syrischer
Freund hat ihn für mich ausgesucht, nachdem ich immer wieder
bei Auftritten nach einem Künstlernamen gefragt wurde.
Gibt
es jemanden, der Dich besonders beeinflußt hat? Oder hattest
Du ein Schlüsselerlebnis, das Dich besonders geprägt hat?
Mein allererster Auftritt innerhalb einer 5-köpfigen- Folkloregruppe
im 6. Schwangerschaftsmonat mit großer, runder Kugel im weiten
Kleid.
Ein Feuerschlucker wünschte sich zu seinem Geburtstag einen
Tanz mit seiner 40 kg schweren Python, sie hieß Karl-Heinz.
Durch ihn kam ich sehr schnell auf die Bühne.
Was bedeutet der orientalische Tanz für Dich?
Ohne könnte ich nicht sein.
Was sind deine Aktivitäten in Sachen orientalischer Tanz?
Kurse, Workshops, Reisen, Auftritte
Wir studieren zurzeit Choreografien für ein orientalisches
Tanzmärchen ein.
Im Frühjahr und Herbst biete ich individuelle Tanzreisen an(dieses
Jahr ist die Wüste unser Thema). Meistens unterrichte ich eine
Choreografie, Körperarbeit und Selbsterfahrung. Land, Leute
und Kultur kommen dabei auch nicht zu kurz.
Was
magst Du am orientalischen Tanz besonders?
Er ist so abwechslungsreich mit seinen unterschiedlichen Stilrichtungen
und die Vielseitigkeit, die dieser Tanz uns bietet, mal kämpferisch
und kraftvoll mit Schwert, sanft mit Schleier, frech im Zigeunertanz
usw., in die entsprechenden Rollen zu schlüpfen und sie auszuleben.
Die isolierten Bewegungen und der Wechsel zwischen kraftvoller Power
und sanfter Poesie.
Wie würdest du deinen eigenen Tanzstil beschreiben?
Mein Tanzstil wurde durch den Unterricht vieler verschiedener Lehrer/innen
beeinflusst, die Basis ist der ägyptische Stil.
Abwechslungsreich muss es für mich sein. Deshalb gefällt
mir eine traditionelle Folklore genauso gut, wie ein Doppelschleier
auf Fantasymusik. Es soll ästhetisch aussehen, die Musik zum
Tanz und dem Kostüm und entsprechenden Accessoires passen.
Glaubst
Du, dass der Tanz Dich in Deiner persönlichen Entwicklung beeinflusst
hat?
Auf alle Fälle. Dieser Tanz konnte mich mit meiner Weiblichkeit
versöhnen. Mein Selbstbild und Körperbewusstsein hat sich
verändert und die Neugierde war geweckt, mehr über die
physischen, sowie psychischen Veränderungen zu erfahren.
Glaubst du, dass orientalischer Tanz und Erotik zusammen gehören?
Tanz und Erotik gehören zusammen. Was ist erotischer als ein
schön gebogener Körper in einem ästhetischen Tanz,
egal welcher Stilrichtung er angehört. Der Mensch als Kunstobjekt
in seiner Darstellung. Die große Angst davor, billig oder
ordinär zu wirken, ist nicht unbegründet. Wie oft sieht
man leider schlechte Darstellungen und ich finde es ist sehr wichtig,
selbstkritisch zu sein und sich eine/n gute/n Lehrer/in an seiner
Seite zu suchen.
Tanzt
du eher choreographiert oder lieber frei?
Eine Choreographie bietet Sicherheit und einen Rahmen, schränkt
mitunter auch ein. Am liebsten kombiniere ich, behalte mir bestimmte
Stücke vor, frei zu tanzen.
Der orientalische Tanz entwickelt sich je nach Einflüssen und
Lehrer/innen immer weiter, vermischt und verbindet sich mit anderen
Stilrichtungen, dabei kommen oft, nicht immer, sehr interessante
Sachen heraus. Aber nur durch ausprobieren, entwickelt sich neues.
Was ist dir in deinem Unterricht wichtig?
Für mich ist wichtig, den Unterricht vielseitig und abwechslungsreich
zu gestalten. Unterschiedliche Elemente, auch schon beim Aufwärmen,
aus meiner tanztherapeutischen Weiterbildung mit einzubringen. Das
genaue Aufschlüsseln der einzelnen orientalischen Bewegungseinheiten
in Verbindung mit dem Ausdruck. Das braucht eine angenehme Atmosphäre
ohne Neid und Konkurrenz, um frei und ungezwungen tanzen und ausprobieren
zu können.Mir ist die Gesunderhaltung des Körpers sehr
wichtig, Rücken- und Bauchmuskeltraining gehören für
mich genauso zum Training wie eine gute Entspannung.
Was
wünschst du dir für den orientalischen Tanz in Deutschland?
Ich wünsche mir - wie viele von uns, noch mehr Akzeptanz für
den orientalischen Tanz, und mehr Respekt vor dem Können der
Tänzerinnen, die ihn als kreatives Ausdrucksmittel vortanzen
und Jahre des Übens damit verbracht haben. Weiterhin wünsche
ich mir, einen sorgsamen, selbstkritischen Umgang mit Präsentationen
von schnell erlernten Choreografien.
Dein Motto?
Gehe der Sonne entgegen,
so lässt du den Schatten hinter dir.
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