Wann
und wie bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
1986 habe ich Shahrazad in „Santorini“, einem arabisches Restaurant
in Bonn gesehen, ich habe mich gewundert das „so was“ (damals
war ich frisch von der Insel!) auch ästhetisch & trotzdem
temperamentvoll sein kann. Ich habe gedacht – wie vielen andere
an diesen Abend – sie ist wie ein Traum! Ich habe in diesen
Restaurant danach gearbeitet und Shahrazad öfters dort tanzen
gesehen. Eines
Abends kam dann noch eine andere Tänzerin dazu, Farida aus Amerika.
Ich war dann soweit, das ich diesen Tanzstil unbedingt
lernen wollte.
Meine Mutter hat damals Standardtanz unterricht
und immer mit mir geschimpft, das ich meine Hüfte nicht
soviel bewegen soll - bei diesem Tanz durfte ich das! Shahrazad
unterrichtete in Köln – ich hatte keinen Führerschein - und
Farida in Bonn, also fing ich bei Farida meinen erste o.T Unterricht
an – ich habe es NIE bereut!
Hast
Du einen Künstlernamen und wenn ja, wie bist Du dazu gekommen?
Meine richtiger Name ist Aundrea, in Deutschland haben die Leute
es aber „Andrea“ ausgesprochen.
Mein Mann, die ich in einem Restaurant in Bonn kennen
gelernt habe (es hat jetzt leider zu!!!!) nannte mich „Andy“
weil es dort schon zwei andere Andreas gab!
Also „Andy“ war nicht der geeignete Name für meinen ersten Auftritt!!
Da half mir mein Mann wieder und taufte mich „Sara“. Es ist
einer seiner Lieblingsnamen, und ich kannte auch keine mit diesem
Namen, außerdem ist es auch einfach für jeden auszusprechen
– mehr Gründe brauchte ich nicht!!
Gibt
es jemanden, der Dich besonders beeinflusst hat? Oder hattest
Du ein Schlüsselerlebnis, das Dich besonders geprägt hat?
Das Tanzstil im Libanon hat mich besonders beeinflusst.
Ich hatte bis dahin geglaubt, das der ägyptische Tanzstil
der einzige „Raqs Sharqi“ wäre, den es gibt.
Bei der „Garzouzi Academy“ und „Alissa Caracalla Dance
School” in Beirut lernte ich was anderes kennen!
Amani vertritt diesen Stil, eine Mischung von Nadia Gamal,
Caracalla, Modern Dance & Amani’s eigenem „Tanz-Gewürz“.
Was
sind Deine Aktivitäten in Sachen orientalischer Tanz?
Seit Mai letzten Jahres habe ich einen Traum erfüllt – oder
besser gesagt mein Mann hat ihn für mich erfüllt! - und habe meine eigenen Räume in Hürth eröffnet.
„Sara’s Atelier“ besteht aus einem Tanzstudio und einem
kleinen Basar, viel Herz und Seele!!
Ich unterrichte ab August wieder, 18 laufende Kurse, von Anfänger
bis zum Auftrittsgruppe.
Workshops halte ich bundesweit ab, auch beim Bundesverband
für o.T, bei der „Orienta“ und beim „Orient Magazin Festival
Im November dieses Jahr werde ich zum ersten mal bei Josephine
Wise auf der englischen O.T-Messe „Fantasia“ unterrichten und
in der Abendgala als Gasttänzerin auftreten.
Nächstes Jahr im Mai kommt eine Tanzreise nach Ägypten dazu.
Ich veranstalte jedes Jahr im März, im Zusammenarbeit mit der
Kulturamt Brühl eine Show „Orient in Brühl“ wobei meine Auftrittsensemble
„Amal“, „El Waled“, & „Orienteenies“ sowie Gasttänzerinnen
mitwirken.
Zur Zeit arbeite ich auf meine Show im Oktober zu.
Meine Ensemble „The Performance Company“, entstanden
aus ca. 40 Tänzerinnen aus NRW, zeigen im Rahmen meines Projektes
„Orient on Stage“, am
27. & 28. Oktober im Erftkreis 14 Folklore Tänze auf die
Bühne.
Glaubst Du, dass der Tanz Dich in Deiner persönlichen Entwicklung
beeinflusst hat?
Auf jeden Fall!!!
Es liegt nicht viel zwischen meinem privaten und beruflichen
Leben. Da mein Mann
aus dem Orient kommt, wird zuhause, auch ohne mein Zutun, Musik
aus dem Libanon gespielt.
Das ich die Möglichkeit gehabt habe, mein Hobby und meine
Liebe zu verbinden - na ja, nicht viele Leute haben das Glück!!
Ich glaube, durch den Tanz und die dazugehörigen Auseinandersetzung
mit den kulturellen Hintergründen habe ich mehr Toleranz, Verständnis
und vor allem Zuneigung für Leute aus anderen Ländern entwickelt.
Der Tanz hat auch meinen Sinn für meinen Körper geschärft, mich
im Spiegel kritisch zu beobachten, meine Schwäche anzuerkennen
und ihn trotzdem zu aktzeptieren!
Es ist wie beim Kinder zu haben, es ist mit viel Arbeit und
Spaß verbunden, kostet manchmal viel Geld und Geduld, aber ich
könnte meinen Leben ohne nicht vorstellen!
Tanzt
Du eher choreographiert oder lieber frei?
Ich kann keine Choreographie von jemand anderem tanzen,
es ist nicht „mein Stil“. Ich
finde es gut, auf einer großen Bühne ein „Gerüst“ zu haben,
aber ich habe nie eine festgelegte Choreographie.
Ich suche die Musik aus, höre immer wieder das Stück
und habe meine „Säulen“ in meinem Tanz.
Das lässt mir genug Freiraum für meine natürliche Nuancen,
aber gibt mir genug Sicherheit, dass ich die Musik – auch wenn
ich schlecht drauf bin z.B .krank – entsprechend interpretieren
und umsetzten kann. Aber
ich choreographiere gerne für andere, seit September
2000 auch viel, für Ensemble, Soli oder auch Duett, ich freue
mich wenn ich auch das Resultat auf die Bühne sehe!
Was
ist Dir in Deinem Unterricht wichtig, was macht für Dich eine
gute Lehrerin aus?
In meinem Unterricht versuche ich auf die Wünsche von meinen
Teilnehmerinnen einzugehen, auch wenn das bedeutet, dass ich
vom eigentlichen Unterrichtsinhalt abweichen muss. Ich habe
viele Kurse, deswegen ist es noch wichtiger vorbereitet zu sein. Am
Semesteranfang mache ich mein Konzept für die kommenden Semester
fertig, danach richte ich mich. So
habe ich für jeden Kurs einen Überblick und die Teilnehmerinnen
auch. Jede „Schülerin“
hat Anspruch auf eine fachgerecht strukturierte und pädagogisch
gut aufgebaute Stunde.
Leider musste ich immer wieder feststellen, das dies nicht immer
der Fall ist. Es
wird sehr oft in Kursen für Feste (natürlich zu Gunsten der
Lehrerin!) Choreographien erarbeitet. Das
ist alles toll und gut, die Teilnehmerinnen bekommen die Möglichkeit,
das zu zeigen, was Sie im Unterricht gelernt haben – aber was
ist mit dem Basis Training, Rhythmenkunde, Folklore, Stilrichtungen,
Zimbeln, nicht zu schweigen von das Förderung das eigene Stilentwicklung??
Auch bei Teilnehmerinnen höre ich ab und zu den Satz -
„.... ich unterrichte ja nur die Anfänger..“
- hat aber nicht
jede Frau ein Recht auf ein fundierte und gut ausgebildete Lehrerin
– vielleicht nicht jemand der vor gerade achtzehn Monate selbst
mit tanzen angefangen hat?
In anderen Tanzformen wird das auch nicht akzeptiert,
warum beim o.T?
Was
war das schönste oder amüsanteste Erlebnis Deiner bisherigen
Laufbahn?
Es gibt so viele verschiedene „schöne Momente“.
Einer war, als meine Tochter für mich einen Stocktanz zum Muttertag
als Überraschung vorführte. Da konnte ich verstehen, warum
meine Mutter geweint hat, als sie mich zum ersten mal tanzen
sah.
Das Amüsanteste war vor kurzem, die Kinder Ensemble hatten ihren
Auftritt und allen waren aufgeregt. Da kamen sie auf die Bühne, schicke frisch genähte Kostüme, Haare
glänzend und Ringel Söckchen noch an – solche Momente vergisst
man auch nicht so schnell!
Das erstemal zusammen mit Hamid Baroudi & seinem Orchester
in Bonn zu tanzen war auch ein Moment, den ich nie vergessen
werde - das Gefühl mit live Musik zu tanzen, das orientalische
Publikum, es war, wie ich es mir erträumt habe........
Dein
Motto?
Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum!
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