Lampenfieber

Was man dagegen tun kann und wie man damit umgeht

Inhalt:


Einführung

"Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache.
Es funktioniert vom Moment der Geburt an –
bis zu dem Zeitpunkt, wo du aufstehst, um eine Rede zu halten.“

Mark Twain

Fast jeder kennt das Gefühl, dieses Kribbeln im Bauch und die Aufregung vor wichtigen Situationen: Lampenfieber! Doch was dagegen tun? Wie kann man damit umgehen, es vielleicht sogar positiv nutzen? Nun, vielleicht nicht gerade wie im folgenden Witz vom Pfarrer, der seine erste Predigt hält: Ein Pfarrer hat vor seiner ersten Predigt Lampenfieber und fragt den Apotheker, was er dagegen tun könne. Der Apotheker rät ihm, vor dem Spiegel zu üben und zur Beruhigung einen Schnaps zu trinken und zwar immer dann, wenn er das Zittern bekäme.
Nachdem der Pfarrer 17 mal gezittert hatte, bestieg er die Kanzel. Nach Beendigung der Predigt verließ er unter anhaltendem Beifall die Kanzel und fragte den Apotheker, wie ihm seine Predigt gefallen habe. Der Apotheker lobt den Pfarrer, erklärt ihm aber auch, dass er leider ein paar Fehler gemacht habe.
1. Eva hat Adam nicht mit einer "Pflaume" verführt, sondern mit einem "Apfel".
2. Kain hat Abel nicht mit einer MP erschossen, sondern er hat ihn erschlagen.
3. Es heißt nicht "Berghotel", sondern "Bergpredigt".
4. Jesus ist nicht auf der "Kreuzung" überfahren worden, sondern er wurde ans "Kreuz" geschlagen.
5. Gott opferte nicht "seinen Sohn den Eingeborenen", sondern "seinen eingeborenen Sohn".
6. Das war nicht der "warmherzige Bernhardiner", sondern der "barmherzige Samariter".
7. Es heißt nicht "Sucht mich nicht in der Unterführung", sondern "führe mich nicht in Versuchung".
8. Es heißt nicht "dem Hammel sein Ding", sondern "dem Himmel sei Dank".
9. Es heißt auch nicht "Jesu, meine Kuh frisst nicht", sondern "Jesu meine Zuversicht".
10. Und am Schluss heißt es "Amen" und nicht "Prost."So sollte es also nicht gerade laufen. Statt dessen wollen wir zunächst einmal versuchen zu verstehen, was in unserem Körper abläuft, wenn uns das Lampenfieber packt. Und damit kommen wir zur ersten Frage:Zurück zum Inhaltsverzeichnis



Was ist Lampenfieber?

Lampenfieber ist ein Phänomen, das Redner, Schauspieler, Musiker oder Tänzer vor einem Auftritt befallen kann. Der Hypothalamus, die "Steuerzentrale" im Gehirn löst eine Sympathicusreaktion aus. Das hat zur Folge, dass die Nebennierenrinde Adrenalin und Noradrenalin produziert. Das kann positive und negative Auswirkungen haben (siehe unten).Wie viel Lampenfieber man hat, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manch einer bleibt selbst bei großen und wichtigen Events cool, andere haben schon beim Vortanzen vor Freundinnen das Gefühl, gleich zu sterben. Doch keine Angst, es gibt sehr wohl Mittel und Wege damit fertig zu werden. Und vielleicht tröstet es auch ein wenig, dass nicht nur Anfänger, sondern auch Profis (bei denen man es sich oft gar nicht vorstellen kann) darunter zu leiden haben. Hier einige "Erfahrungberichte" anderer Tänzerinnen:
Dschinny:
"Bei mir ist es ganz komisch. Ich bin vor einem Auftritt ziemlich ruhig und gelassen. Aber in dem Moment wo ich auf der Bühne bin fange ich an zu zittern, die Choreo ist aus dem Kopf gelöscht, ich bekomme Herzrasen, Schweißausbrüche und frage mich immer ob ich besoffen war, als ich mich entschloss aufzutreten! Wirklich, es ist die Hölle. Hilfen? Bei mir helfen manchmal vorher homöopathische "Rescue-Tropfen" (gibt es in jeder Apotheke), mich innerlich zu sammeln und ganz tief durchzuatmen und mir zu sagen, dass es o.k. ist was ich mache und dass es mir gut geht! Ansonsten: Übung macht den Meister, mit jedem Auftritt wird es ein klein wenig besser. Weg wird das Lampenfieber bei mir aber sicher nie sein, ich versuche halt mich mit ihm zu arrangieren und es als "Freund" und nicht als "Feind" zu sehen."

Sahida:
"Ich leide jedes mal schwer unter Lampenfieber, kann aber jedem, der auch darunter leidet, versichern, dass die Leute im Publikum keine Monster sind. Klar, die Blicke ruhen auf einem, aber meist sind es bewundernde Blicke (ein schönes funkelndes Kostüm ist eigentlich schon die halbe Miete, wenn man auf privaten Feiern auftrittst). Und auch ich habe schon meinen Schleier verloren, bin in eine Lampe gescheppert, und ähnliche "Katastrophen". Da hilft nur lächeln, neu sortieren, und weitermachen. Ausgelacht worden bin ich deswegen noch nicht. Naja, und wenn man in der Gruppe tanzt, fällt es eigentlich selten auf, wenn ein Mitglied mal "patzt", da sich die Leute selten die ganze Gruppe auf einmal anschauen, sondern eher einzelne Tänzerinnen."

Sahira:
"Als wir damals noch in der Gruppe aufgetreten sind, haben wir alle Stufen von Lampenfieber gehabt. Eine wurde immer ganz hysterisch obwohl sie sonst sehr schön getanzt hat. Bei ihr artete es dann so aus, dass sie mit der Choreo immer einen Schritt voraus war. Wir haben uns dann angewöhnt, vor einem Auftritt ein Glas Sekt zu trinken oder einen Grappa. Bei dieser Tänzerin hat es Wunder gewirkt und auch die anderen waren befreiter und viel lockerer drauf. Das ist natürlich keine Dauerlösung, aber uns hat es damals geholfen. Wenn ich heute zu einem Auftritt gehe, habe ich das Gefühl ich könnte eine Pipeline zur Toilette legen, aber sobald die Musik einsetzt, ist alles weg. Ich bin trotzdem immer froh, daß ich persé ohne Choreo tanze, denn so kann ich sie auch nicht vergessen. :-)))"

Meissoun:
"Persönlich habe ich das Glück, nicht an Lampenfieber zu leiden. Was ich aber auch kenne, ist der Urindrang kurz vorm Auftritt - das kann aber auch daran liegen, dass der Bauchtanzgürtel halt genau auf die Blase drückt :-). In unserer indischen Tanzgruppe haben wir ein Mitglied, das sehr mit Lampenfieber kämpft. Anfangs war's so schlimm, dass sie fast in Tränen ausbrach, wenn sie nur mal im Unterricht schnell einen Schritt allein tanzen sollte. Wir mussten sie jeweils fast auf die Bühne prügeln. Dabei ist sie diejenige, die technisch am besten von uns tanzt! Irgendwann hat sie dann wohl beschlossen, den Stier an den Hörnern zu packen und hat sich auch für Auftritte gemeldet, wo wir nur zu zweit hingegangen sind. Und letzthin hatte sie sogar ihren ersten Solo-Auftritt. So langsam gewöhnt sie sich also ans Auftreten. Lampenfieber wird sie bis ans Ende ihrer Tage haben, aber wenigstens weiß sie jetzt, dass es möglich ist, einen Auftritt lebend zu überstehen."

Ceylan:
"Ich hatte auch oft Lampenfieber, aber erst kurz vor dem Auftritt. Dies äußerte sich dann, dass ich die ganzen Zeit auf die Toilette musste.Inzwischen ist es wesentlich besser geworden. Es beginnt 2 Minuten bevor ich dran bin und ist weg, sobald ich im Raum oder auf der Bühne bin und die Leute sehe. Denn ich habe gemerkt, daß selbst wenn ich einen Fehler machte, die Leute das selten gemerkt haben und ich trotzdem mit Komplimenten überschüttet wurde."


Wie wirkt sich Lampenfieber aus?

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht: Lampenfieber hat durchaus nicht nur negative Folgen! Nur wenn das Adrenalin uns puscht, können wir Höchstleistungen vollbringen. Der katholische Kirchenlehrer Augustinus sagte: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ Wer Lampenfieber verspürt, hat es leichter zu überzeugen. Die besten Schauspieler haben vor jedem Auftritt Lampenfieber.Unser Gehirn kann am besten arbeiten, wenn wir weder zu gleichgültig, noch zu angespannt in eine wichtige Situation (Prüfung, Auftritt) gehen. Bei großer Anspannung funktioniert plötzlich die Informationsübertragung nicht mehr zwischen den einzelnen Nervenzellen und dann kommt der oft zitierte "Blackout". Gesucht ist also eine gesunde Balance: Soviel Lampenfieber wie nötig, so wenig wie möglich.

Auswirkungen von Lampenfieber

POSITIV
  • wirkt wie Aufputschmittel
  • steigert das Leistungsvermögen
  • erzeugt mehr Spannung
  • gibt mehr Kraft
  • Kribbeln ist gut
  • ohne Lampenfieber ist
    ein Auftritt lahm 
NEGATIV
  • Stotterstimme
  • Zittrige Knie
  • Herzrasen
  • Angst vor Versagen
  • Verdauungsstörungen
  • Schweissausbrüche
  • Blackout
  • Blut schiesst in den Kopf
  • Schlaflosigkeit
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Umgang mit Lampenfieber

Du wirst es wahrscheinlich niemals schaffen, das Lampenfieber ganz abzubauen. Das solltest Du auch gar nicht, da man mit ein wenig Lampenfieber viel authentischer wirkt und nicht - im schlimmsten Falle - wie eine Maschine, wenn man zu perfekt auftritt.

Ein Patentrezept gegen plötzliche Panikattacken und Blackouts gibt es nicht. Das heißt aber nicht, daß man der Auftrittsangst chancenlos ausgeliefert ist.Von einem Tag auf den anderen wird aber niemand vom Angsthasen zum Helden. Flatternden Nerven unter Kontrolle zu bekommen, muß trainiert werden. Zunächst muß man sich bewußt werden, daß man sich nur selbst dabei helfen kann, mit diesem Problem fertig zu werden. Jeder, der schon mal Lampenfieber hatte und von lieben Menschen dann mit dem Kommentar "Du schaffst das schon" aufgemuntert wurde, weiß aus eigener Erfahrung, wie wenig das weiterhilft! Wie kann man sich also selbst am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen, sprich richtig mit dem Lampenfieber umgehen und es sogar positiv nutzen? 

Praktische Tipps

Langfristig vor dem Auftritt

Beginne so früh wie möglich
Ein großer Teil der Angst entsteht häufig nur deshalb, weil man sich die Zeit falsch eingeteilt hat und bei der Vorbereitung ins Schleudern gerät. Wer so früh wie möglich mit dem Üben anfängt, kann sich die Arbeit in kleine Portionen einteilen, und sich vorab mit einer Situation vertraut machen.

Suche den Tanz so aus, dass Dir wirklich alles gefällt
Wirklich gut und überzeugend kannst Du nur wirken, wenn Du auch selbst von dem, was Du machst, überzeugt bist. Denn wenn Du es nicht bist - wie sollte es dann das Publikum sein? Musik Tanz, Kostüm - das alles sollte Dir wirklich gut gefallen! Solltest Du also mit der Art der Vorführung, der Thematik oder den Rahmenbedingungen nicht einverstanden sein, laß´ es lieber, als es halbherzig durchzuziehen.

Bereite Dich vor und motiviere Dich selbst
Wenn Du Dich entschlossen hast, ein bestimmtes Engagement anzunehmen, dann zieh´ es durch - es gibt es kein Zurück mehr! Jetzt gilt es, den Auftritt gut vorzubereiten. Das beste Mittel gegen übermäßige Nervosität ist immer eine gute Vorbereitung!
Je kürzer Dein Tanz sein soll, um so länger solltest Du Dich vorbereiten. Wenn Du Dich in wenigen Minuten präsentieren sollst, so muß Dein Tanz viel abwechslungsreicher und aussagekräftiger sein, als wenn Du eine 15-minütige Show zeigen darfst. Sieh Deine Aufgabe positiv: „Ich werde eine gute Show zeigen, denn ich bin sorgfältig und umfassend vorbereitet."

Übe, übe, übe - so oft es geht
Wie heißt es so schön im Sprichwort? "Übung macht den Meister". Üben, üben und noch mal üben heißt die Devise. Wenn Du eine Choreographie tanzt, tanze sie so oft durch, bis Du sie im Schlaf  kannst und Du keine Sekunde mehr nachdenken musst, welche Bewegung als nächstes kommt. Wenn Du frei tanzt, übe so lange, bis Du die Musik vorwärts und rückwärts kennst und jeden Akzent auch im Schlaf treffen würdest. Etwas ausdrücken mit dem Tanz kannst Du nur, wenn Du an die Technik keinen Gedanken mehr verschwenden musst! Wenn notwendig, nimm Deinen Tanz auf Video auf und arbeite an Schwachpunkten.
Verwende besonders viel Zeit darauf, den Anfang Deines Tanzes zu üben - so kannst Du brillant starten und machst einen guten, ersten Eindruck auf Dein Publikum. Erfahrungsgemäß hat man außerdem am Anfang am meisten mit der Aufregung zu kämpfen, steht man dann erst mal auf der Bühne und tanzt eine Weile, legt sich die Nervosität meist mehr und mehr.
Übe auch im kompletten Auftrittskostüm, mit allen Accessoires (Schleier, Stock, Leuchter) - und zwar alles im Original! Nur so merkst Du, wie sich die Shimmies im Kostüm anfühlen, wie der Schleier fliegt usw. und vermeidest peinliche Überraschungen!

Stell Dir die Situation vor
Tanz Deine Choreographie nicht nur stur herunter. Stell´ Dir vor, wie Du auf die Bühne kommst, wie die Scheinwerfer Dich blenden, wie Du das Publikum anlächelst - auch wenn Du nur durch das heimische Wohnzimmer tanzt und Dein Haustier Dich dabei verständnislos mustert. Je realitätsnäher Du übst, desto besser wirst Du später mit der Situation umgehen können.
Bereite Dich auch auf Pannen und Mißgeschicke vor. "Was tue ich wenn...?" Über viele Situationen kann man schon vorher nachdenken und so im Zweifelsfall viel souveräner reagieren. So kann Dich so schnell nichts mehr aus der Bahn werfen.

Sammle soviel Erfahrung wie möglich
Tanze Deine Choreographie so viel wie möglich vor: Vor Deinem Lebenspartner, vor Deiner Freundin, vor Deinem Kurs. Wenn Du häufiger auftrittst und Dich auf eine große Bühnenshow vorbereitest: Vielleicht hast Du die Möglichkeit, den Tanz schon einige Male vorher bei "normalen" Auftritten zu zeigen?
Versuche solche "Vortanz-Situationen" nicht zu vermeiden, sondern suche im Vorfeld bewußt viele solcher Situationen. Je mehr Erfahrungen Du gesammelt hast, desto besser kannst Du mit solchen Herausforderungen umgehen.


Am Tag des Auftritts

Schlafe genug und bereite rechtzeitig alles vor
Packe Deine Sachen in Ruhe ein und gehe alles ein paar mal in Ruhe durch. Oder mach Dir eine Checkliste. Nichts ist schlimmer, als im Auto auf dem Weg zum Auftritt zu sitzen und verzweifelt zu überlegen, ob man nicht doch etwas Wichtiges vergessen hat.

Vermeide unnötigen Zeitdruck!
Plane genügend Zeit für die Fahrt ein. Wenn Dich das Autofahren zu sehr stresst, benutze öffentliche Verkehrsmittel oder laß´ Dich von jemandem zum Auftrittsort fahren!

Lerne die Räumlichkeiten kennen
Wenn Du die Möglichkeit hast, fahre schon etwas früher zu dem Ort hin (evtl. sogar vorab schon mal), wo Du auftreten sollst.

Sei freundlich zu Anderen
Nicht hilft mehr, als wenn man sich mit jemand anderem nett unterhalten kann. Geh´ auf die anderen Mitwirkenden zu, stell´ Dich dem Bühnenpersonal vor - ein Lächeln wirkt oft Wunder!

Überprüfe nochmals alles
Überprüfe vor dem Auftritt (z.B. bei der Probe) nochmals die technischen Anlagen und die örtlichen Gelegenheiten. Eine zu leise Musikanlage oder ein glatter Boden können tödlich sein für Deinen Tanz.

Beweg Dich!
Nutze dazu die Probe, oder mach einen kleinen Spaziergang. So baust Du das Maß an Adrenalin ab, das Dich daran hindert, während Deines Auftritts aufzublühen.

Lenke Dich ab!
Vielleicht kannst Du Dich hinter der Bühne mit jemandem unterhalten? Unbezahlbar ist es, wenn man jemandem in der Garderobe hat, der einen etwas aufmuntert und nicht alles so ernst nimmt. Den Nerven zuliebe solltest Du am entscheidenden Tag einen weiten Bogen um Leidensgenossen machen, die noch in letzter Minute vor dem Auftritt ihre Choreographie einstudieren.

Versuche Dich zu entspannen!
Es gibt viele Möglichkeiten, sich vor dem Auftritt zu entspannen: Meditation, Autogenes Training, Entspannungsübungen oder einfach nur Ruhe. Sollte dies nicht möglich sein, hilft es oft schon die Muskeln zu lockern - anzuspannen - wieder zu lockern; Arme, Hände und Kopf gleichsam ausschütteln und den Kiefer zu lockern (nach unten fallen lassen).

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Kurz vor dem Auftritt

Nicht bis zum Schluss "lernen"
Gehe unmittelbar vor Deinem Auftritt (bzw. die letzte halbe Stunde davor) Deine Choreographie nicht mehr durch. Damit macht man sich nicht nur selbst verrückt, sondern blockiert sich häufig auch noch. Sag´ Dir statt dessen, dass Du gut vorbereitet bist und jetzt sowieso nichts mehr zu ändern ist. Versuche statt dessen, Dich abzulenken (siehe oben).

Toilette
Gehe kurz vor Deinem Auftritt oder kurz bevor Du Dich umziehst noch einmal zur Toilette.

Styling
Überprüfe Dein Kostüm und Styling noch ein letztes Mal im Spiegel.

Homöopathische Mittel
Vielleicht hast du schon einmal etwas von den "Notfalltropfen" gehört. Sie stammen aus der Bach-Blüten-Therapie und sind eine spezielle Blüten-Kombination. Einigen Leuten helfen sie hervorragend, andere wiederum spüren kaum eine Wirkung. Wenn Du es ausprobieren möchtest, Du erhältst die Tropfen rezeptfrei in der Apotheke (auch Rescue-Remedy oder Rescue-Tropfen genannt).

Alkohol
Mit Alkohol sollte man vor Auftritten ganz besonders vorsichtig sein! Manch einem mag ein Gläschen Sekt helfen, anderen wird davon so schwindelig, dass keine Drehung mehr klappt. Wenn man nicht sehr genau weiß, wie der eigene Körper darauf reagiert, sollte man die Finger davon lassen.


Gegen negative Gedanken

Gehörst Du auch zu denjenigen, die dazu neigen, innerlich einen "Katastrophenfilm" ablaufen zu lassen? Dann solltest Du ein neues Drehbuch schreiben. Denn einen "Blackout" produziert man selbst, indem man sich zu stark unter Anspannung versetzt. Tausend negative Gedanken gehen einem durch den Kopf, man malt sich selbst die schlimmsten Szenarien aus und man gibt sich gedanklich genügend Gründe, in Angst oder gar Panik zu verfallen. Und genau das kann dann zu einem Blackout führen. Unser Gehirn klinkt sich sozusagen aus, wenn es ihm zu gefährlich wird.Um das zu vermeiden, brauchen wir beruhigende, positive Gedanken.

Auch hier gilt wieder, die Aufregung positiv zu nutzen: Stell Dir möglichst konkret, lebendig und so oft wie möglich vor, wie Du Deine Rolle bravourös meisterst: Wie Du die Choreographie perfekt umsetzt, wie Du alle mit Deinem Ausdruck verzauberst, wie das Publikum applaudiert...

Im Folgenden sind verschiedene negative Gedanken, die Angst hervorrufen, und die dazugehörigen positiven Gedanken zusammengestellt. Wann immer Du Dich bei einem negativen Gedanken ertappst,  musst Du sie statt dessen durch hilfreiche ersetzen.

Angstauslösender Gedanke: Ich darf meine Choreographie nicht vergessen, keinen Fehler machen.
Hilfreicher Gedanke: In Wirklichkeit bin ich die Einzige, die weiss, wie meine Choreographie aussieht und wann welche Bewegung kommt. Das heißt, ich bin auch die Einzige, die einen Patzer merkt - das Publikum bekommt nichts davon mit.
   
Angstauslösender Gedanke: Wenn ich den Auftritt versaue, bin ich ein Versager.
Hilfreicher Gedanke: Das ist eine maßlose Übertreibung. Ich versage dann in einer einzigen Situation in meinem Leben.
   
Angstauslösender Gedanke: Dieser Auftritt ist so wichtig, ich muss auf jeden Fall eine super Show liefern. Das ist eine einmalige Gelegenheit, die nicht wieder kommt.
Hilfreicher Gedanke: Ich habe mich auf diesen Auftritt vorbereitet. Es wäre schade, wenn es nicht so klappen würde wie ich möchte, aber es werden sich noch andere Chancen bieten. Ich kann damit weiterleben.
   
Angstauslösender Gedanke: Man darf mir auf keinen Fall ansehen, dass ich so aufgeregt bin. Meine Knie dürfen nicht so schlottern, mein Herz soll nicht so schlagen...
Hilfreicher Gedanke: Es ist o.k., dass ich aufgeregt bin. Das geht allen Tänzerinnen so, nicht nur mir allein. Das Publikum weiß das. Es darf ruhig sehen, dass ich angespannt bin.

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Die letzten Sekunden hinter der Bühne

Vielleicht kennst Du das Gefühl, wenn Du hinter dem Vorhang stehst und nur noch darauf wartest, dass Deine Musik startet: Plötzlich fühlt man sich vollkommen allein, so allein, wie noch nie zuvor. Dieses Einsamkeitsgefühl ist ganz normal, lass Dich davon nicht verunsichern. Konzentriere Dich statt dessen auf Deinen Auftritt, sag´ Dir noch einmal "ich schaffe es" und atme ein letztes Mal ganz tief durch. Und dann: raus!



Auf der Bühne

Die ersten Minuten sind meist die schlimmsten, hat man sich erst einmal an die Situation gewöhnt, wird es immer besser. Versuche, natürlich und ungezwungen zu sein statt gekünstelt den "Star" herauszukehren. Wenn Du merkst, dass die Panik in Dir hoch kriecht und die Aufregung überhand nimmt, versuche Dich selbst wieder "herunter zu holen". Bleib ruhig und atme tief durch. Sag Dir: "Das ist kein Grund zur Panik. Du kannst es. Du musst nicht perfekt sein. Dir kann nichts passieren. Du bist nicht in Lebensgefahr." Wenn Du wirklich einen Fehler machst, sag Dir, dass es nichts macht, und überspiele es mit einem Lächeln. Schimpfe nicht mit Dir, weil Dein "dämliches Gehirn" nicht funktioniert, denn damit machst Du es  nur noch schlimmer.

Hilfreich ist es auch, einen positiven Zuschauer im Publikum zu suchen, also jemanden, der interessiert und freundlich wirkt, und diesen als ruhenden Pol anzuvisieren. Vielleicht kannst Du mit ihm auch scherzen oder ein wenig flirten? Ein Trick, der auch von Profi-Rednern und Politikern benutzt wird, ist es, eine Vertrauensperson mitzunehmen und diese in die ersten Reihen zu setzen. Vernachlässige aber trotzdem nicht das restliche Publikum, schließlich haben alle Zuschauer ein Anrecht auf Deine Aufmerksamkeit. Und falls wirklich jemand im Publikum sitzt, der Dich böse anschaut, gelangweilt wirkt oder womöglich sogar abwinkt -  ignoriere ihn einfach, oder noch besser: lache über ihn. Er bringt sich selber um den Genuß, Dir zuzuschauen.

So, und nach dem ganzen Streß im Vorfeld: Wandle Deine Anspannung in Energie und Bewegung um, und lass den Funken der Begeisterung auf Dein Publikum überspringen! Du wirst sehen: es macht Spass! Nimm Dich selber nicht zu ernst, denn wem es gelingt, sein Publikum zum Lachen zu bringen, hat schon halb gewonnen. Und wenn Du es dann endlich geschafft hast, wirst Du sehen: Der Applaus wird Dich für alles, was Du vorher durchgemacht hast, entschädigen - ein unglaublich schönes Gefühl!

Djamila

Vielen Dank an Dschinny, Ceylan, Meissoun, Sahida und Sahira, die mir ihre  Erfahrungsberichte für diesen Artikel zur Verfügung gestellt haben.

 


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